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»Eine positive Beziehung zur Natur fördert verantwortliches Handeln«
Interview mit den Umweltpädagoginnen Anke Schlehufer und Steffi Kreuzinger

Frau Kreuzinger, Frau Schlehufer, Sie entwickeln Projekte in der Umweltbildung für Kinder und Jugendliche. Wie gelingt es heute, Kinder für die Natur zu begeistern?
Wenn das Erleben im Vordergrund steht und Erwachsene ihre eigene Begeisterung glaubhaft vermitteln können, dann gelingt es, dass Kinder Naturerlebnisse als Wert empfinden. Es reicht nicht aus, Kinder »nach draußen« zu schicken. Erwachsene sind gefragt, die Verantwortung zu übernehmen und Kindern Möglichkeiten für Naturerleben zu bieten. Erst die Begleitung durch Eltern, Erziehende und Lehrende und das gemeinsame spielerische Entdecken schaffen einen Raum, in dem Kinder aktive Erfahrungen in und mit der Natur machen können.

Welche Bedeutung hat Natur und haben insbesondere Tiere und Pflanzen für Kinder?
Für Kinder ist Natur vor allem etwas Lebendiges. Natur weckt Neugier und Abenteuerlust, ist geheimnisvoll und immer wieder neu. Sie vermittelt Kindern aber auch Vertrautheit und Geborgensein, denn sie spüren intuitiv, dass wir Menschen auch Natur sind. Und Natur wertet nicht. Sie lässt uns sein, wie wir sind. Daher empfinden Kinder Natur als Teil des Lebens. Sie »beseelen« Natur, indem sie zu Tieren, Bäumen und Blumen eine Beziehung aufbauen.

Welche Fähigkeiten können bei Kindern durch Naturerfahrungen geschult werden?
Die verschiedenen Materialien, Formen und Farben, die wir in der Natur finden, eignen sich hervorragend dazu, Sinneswahrnehmungen zu schärfen. Spielerische Bewegungen wie Klettern oder Springen fördern motorische Fähigkeiten. Beim Bauen und Basteln mit Naturmaterialien kommen konstruktive Fähigkeiten zur Geltung, die Kreativität wird angeregt. Das Ausleben der eigenen Wildheit befriedigt eine Ursehnsucht nach Abenteuer und Magie. Neugier und Phantasie werden geweckt, weil sich die Natur ständig verändert und immer wieder neue spannende Herausforderungen bietet. Das Erkennen von wiederkehrenden Kreisläufen wie dem Wechsel der Jahreszeiten vermittelt Geborgenheit. Oft machen Kinder in der Natur ihre ersten Erfahrungen mit Leben und Tod.

Was können Eltern und PädagogInnen tun, damit Naturerlebnisse im Alltag Wirkung entfalten?
Kinder erinnern sich an das, was sie selbst erlebt haben. Authentische Erfahrungen in der Natur bleiben ihnen im Gedächtnis. Diese Erfahrungen können in den Alltag integriert werden, wenn Kinder mit ihren Erlebnissen von anderen Menschen, insbesondere ihren täglichen Bezugspersonen, Wertschätzung erfahren und sich damit ernst genommen fühlen. Entscheidend ist, dass durch Erwachsene ein Anstoß gegeben wird, die Naturerlebnisse in den Alltag einzubinden. Dies kann dadurch geschehen, dass dem Kind die Verantwortung für ein Tier oder eine Pflanze übertragen wird. Dann können Kinder pflegende Beziehungen aufbauen und soziale Verantwortung lernen. Erwachsene tragen durch ihr Vorbild und ihre Wertschätzung entscheidend dazu bei, die Motivation zu schaffen, die Kinder brauchen, um aus ihren Naturerlebnissen Handlungskompetenzen zu entwickeln.

Glauben Sie, dass Naturerlebnisse Kinder zu einem respektvollen Umgang mit der Umwelt anregen?
Ja! Wenn Kinder durch eigenes Erleben eine positive Beziehung zur Natur aufbauen, übernehmen sie auch Verantwortung für die Natur. Wir wissen aus Studien, dass so gut wie alle Erwachsenen, die sich heute für Natur und Umwelt engagieren, als Motivation ihres Handelns auch positive Erlebnisse in und mit der Natur als Kinder nennen. Das zeigt, dass Kinder durch eigenes Erleben Interesse entwickeln, Zusammenhänge und Kreisläufe in der Natur zu verstehen. Das Wissen und die Erfahrung darum, wie sie sich in der Natur verhalten können, ermöglicht es ihnen, sich in der Natur angstfrei zu bewegen. Angst kann Respekt verhindern und zur Zerstörung führen. Verstehen führt hingegen zu Respekt und »leben lassen«. Wer mit der Natur lebt und sie nutzt, kann empfindend erkennen, dass wir sie brauchen, dass sie Teil unseres Lebens ist und damit schützens- und liebenswert.


Anke Schlehufer, Jahrgang 1961, Umwelt- und Erlebnispädagogin, Naturtherapeutin, Leiterin des Naturerlebniszentrums des Kreisjugendrings München-Land in Pullach, außerschulische Umweltbildung und Agenda-21-Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Fort- und Weiterbildung von Multiplikatoren, Mutter eines Kindes.
  
Steffi Kreuzinger, Jahrgang 1968, Umweltpädagogin und Autorin, konzipiert und organisiert Projekte der Umweltbildung in Schule, Kinder- und Jugendarbeit, zu nachhaltigen Lebensstilen, ökologischen Kinderrechten und zur Partizipation. Freiberufliches Engagement in der Ferien- und Erlebnispädagogik, Mitarbeiterin im Ökoprojekt von MobilSpiel e.V. in München, Mutter von zwei Kindern.
  
»Natur-Erlebnis-Ferien«
Handbuch für die Gestaltung ökopädagogischer Kinder- und Jugendfreizeiten von Anke Schlehufer und Steffi Kreuzinger

Erhältlich beim beim Ziel-Verlag.