• Der Färbergarten
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Unser Projekt »Färbergarten«
Mit dem »Färbergarten« hat der Ziegenmichelhof eine neue interdisziplinär und integrativ angelegte Idee entwickelt. Ein Konzept mit Hand und Fuß, wie die Auszeichnung durch die Jury des Nationalkomitees der UN-Dekade »Bildung für nachhaltige Entwicklung« als offizielles Dekade-Projekt für den Zeitraum 2011/2012 beweist. (www.bne-portal.de)

Unser Färbergartenzentrum befindet sich in der Netzwerkinitiative Sevengardens (www.sevengardens.eu).

 
Der Färbergarten – Was ist das?
Pflanzen und Pflanzenteile werden verarbeitet, um Farbstoffe zu gewinnen und eigene Malmittel herzustellen. Das Projekt FärberGarten wird in Lehr – und Erlebniskursen auf dem Ziegenmichelhof realisiert. Das vermittelte Gelernte stärkt das Selbstbewusstsein der Kinder. Neben Anbau und Pflege der Pflanzen ist auch der Weg von der Pflanze zum Malmittel Teil des Kurses.

Man nimmt im Prinzip die Pflanze
und unterteilt sie in ihre einzelnen Segmente, wie Früchte, Blüten, Blätter, Stiele, Borke, Wurzel. Diese Teile werden separat bearbeitet, wobei in den meisten Fällen das einfache Pürieren noch nicht den Farbstoff auslöst. Es muss beispielsweise fermentiert werden oder es müssen verschiedene Gärungs- bzw. Fäulnisprozesse ablaufen. Dazu setzt man dem Pflanzenbrei z.B. heißes Wasser, Salze, Zucker oder Essig zu. Diese gewonnene Maische wird schließlich durchgesiebt und der Farbstoff wird letztlich auf ein Trägermaterial, wie z.B. Alaun, Eierschalen, Kreide oder Kalk gebracht.
 
Die Idee der Färbergärten

Ein »Färbergarten« an sich ist eine Nutzfläche für Färberpflanzen oder auch ein Naturraum, in dem Pflanzen mit färbenden Essenzen zu finden sind. Die Anwendung von alten, traditionellen Färberrezepten, die mit der Industrialisierung der Farbproduktion weitgehend in Vergessenheit geraten sind, ermöglicht in manuell-handwerklicher Produktion – teils mittels historischer Techniken – die Herstellung einer weiten Palette von natürlichen Farben auf Öl- und Wasserbasis, Pigmenten, Lacken und weiteren Farbträgern.

In der Kinder- und Jugendarbeit eignet sich der Färbergarten als interdisziplinäres Lernobjekt: Die Anlage eines Färbergartens, Pflanzenanbau und -pflege in Gruppenarbeit sowie die vielfältigen Möglichkeiten zur Erarbeitung von Techniken zur Herstellung von Tinten, Stofffarben, Kosmetika, Wandfarben und farbigen Speisen eröffnen ein weites Betätigungsfeld in dem ökologische, biologische, aber auch physikalische und chemische Zusammenhänge veranschaulicht werden. Darüber hinaus werden über das eigene »Aktiv-Werden« bei der Farbherstellung – das Mörsern, Pressen, Einkochen Beimischen etc. – motorische und koordinative Fähigkeiten geschult. Durch die unmittelbaren Erfahrungen bei der Farbgewinnung wird das Interesse an weitergehender kreative Arbeit mit der gewonnenen Pflanzenfarbe (Malerei, Batik, Schminke, Kalligraphie etc.) angeregt.

Der Färbergarten ermöglicht in pädagogischer Begleitung die anschauliche Vermittlung von biologischen Prozessen (z.B. Lebenskreisläufen), ökologischen Zusammenhängen (Biodiversität, Bodenschutz etc.), chemischen Reaktionen und weiteren Themenstellungen (zur Geschichte des Färbens etc.). Interdisziplinäre Zusammenhänge werden in der praktischen Arbeit sichtbar. Über die unmittelbaren Erfahrungen beim Anbau der Färberpflanzen und der Herstellung der Pflanzenfarbe, z.B. die als Farbwandel sichtbare Veränderung des pH-Werts, wird Wissen effektiv vermittelt und wirksam verinnerlicht.

Die praktische Arbeit bei der Anlage und -pflege des Färbergartens, der Farbherstellung sowie der künstlerischen »Verwertung« der Pflanzenfarben eröffnet Kindern und Jugendlichen vielfältige Möglichkeiten, ihre individuellen Fähigkeiten und Interessen in den Prozess einzubringen. Durch die direkte Arbeit am Objekt (vornehmlich draußen in der Natur) werden soziale und sprachliche Barrieren abgebaut und es entsteht eine positive, produktive Gruppendynamik.

Der Färbergarten als Gemeinschaftsprojekt kann weitere kommunikative Effekte erzeugen. So können Samen, Pflanzen, Farben und das Wissen um Herstellungstechniken ausgetauscht und gemeinsame Aktionen (z.B. Ausstellungen, Gemeinschaftsbilder) organisiert werden. Es eröffnet sich ein breites Experimentierfeld, in dem Kinder und Jugendliche mit ihrem »neuen alten Wissen« und ihren Erfahrungen zu Multiplikatoren werden. Als internationales Zentrum dieser Idee versucht der Ziegenmichelhof eine entsprechende Infrastruktur zu etablieren.

 
Die Atavus Nomaden als künstlerische Begleiter des Färbergartens

Aus den sieben Kunst-Gärten des Künstlers Peter Reichenbach entstand der Atavus Verein. Besondere Aufmerksamkeit erhalten hier Kinder und Jugendliche, die durch künstlerisches Arbeiten in den Kunst-Gärten zu Multiplikatoren ausgebildet werden. Die Atavus-Nomaden sind Künstler aus aller Welt, die nun helfen, in aller Welt Kunst-Gärten zu errichten. Dabei steht die Herstellung von Tinten, Stofffarben, Kosmetika, Wandfarben, Theaterfarben, bunten Heiltees und farbigen Speisen im Vordergrund. Farben und Kunst dienen hier als trojanischer Input, um über den zwanglosen Spaß Themen wie Chemie, physikalische Zusammenhänge, Geschichte, Biologie, etc. zu implizieren. Durch das Erlernen alter oder vergessener Techniken steigen das Selbstwertgefühl und die Vision auf ein kreatives freies Lebensziel. Kurz: Atavus-Nomaden sind die idealen künstlerischen Begleiter des Färbergartens auf dem Ziegenmichelhof.

Der Ziegenmichelhof ist für die Atavus-Nomaden zur Kunstlagerstätte geworden. Gemeinsam mit den Leuten vom Ziegenmichelhof werden hier nun im Rahmen der entstehenden Färbergärten Färberwerkstätten entstehen, Workshops durchgeführt und Kunstausstellungen geplant. Kinder und Jugendliche werden ebenso eingebunden wie Handwerker, Eltern, Künstler und alle die Lust haben Kunst und Kultur wieder selber herzustellen aus Naturprodukten.

 
Die Künstler Peter Reichenbach (Deutschland) und Lahyt Amahd (Irak)

Peter Reichenbach aus Essen

Freischaffender Künstler und Farbreisender

Projektleiter von »Seven European Gardens«

Ausstellungen und Projekte in Deutschland, Frankreich, der Schweiz, Norwegen und Südafrika.

Fahrradreisen und Besuche bei Nomaden in Sahara, Sahel und Lappland, Roma und Sinti in Europa, Oman, Jemen und Kaschmir.


Lahydt Ahmad, Künstler aus Bagdad, Irak.

Er betreut den Hortus Conclusus der Atavus e.V. in Essen Altendorf. Viele alte Farbrezepte kommen ursprünglich aus dem Arabischen Raum zu uns, Ahmad versucht nun diesen Schatz wieder verfügbar zumachen.

Auf dem Ziegenmichelhof ist er für den Bau des Haus der Sinne zuständig. Sein Traum ist irgendwann in Bagdad einen ähnlichen Garten entstehen zulassen um auch dort mit Kindern und Jugendlichen gemeinsam zu arbeiten.